Am Anfang steht die Idee

Heute ist es nur eine Idee. Ich lebe in einem Dorf in Schleswig-Holstein, das noch weit weg von der Digitalisierung ist.

Wir haben zwar schon Breitband-Internet an jeder Milchkanne. Aber wir wissen noch nicht viel über die Möglichkeiten, die wir hier dadurch haben. Digital ist es also noch recht verschlafen hier.

Dabei hat uns dieses Corona-Jahr gezeigt, wie wichtig es ist, digital in Kontakt zu bleiben, wenn wir uns real kaum begegnen dürfen. In diesem Jahr ist uns allen bewusst geworden, wieviel einfacher es in solchen Zeiten wäre, online einen Arzt konsultieren zu können, online Einkäufe vorbestellen zu können, die wir dann nur abzuholen brauchen, oder uns online gegenseitig um Unterstützung zu bitten.

Höfe mussten auf Saisonarbeitende verzichten, weil es Reisebeschränkungen gab. Wie könnten solche Höfe durch die Hilfe der Digitalisierung trotzdem mit voller Kraft weiterarbeiten? Was ist möglich, auch in einer kleinen Landwirtschaft?

Hinzu kommen die Themen, die uns schon vor Corona beschäftigt haben: Landwirte balancieren zwischen Umweltschutzbelangen und Effizienz. Wie kann die Digitalisierung dabei unterstützen, diesen Balance-Akt hinzubekommen?

Und was gibt es noch für Themen, hier auf dem Land? Die eine Anwohnerin klagt über zu dunkle Wegebeleuchtung, gerade im Winter. Eine andere kann aber nicht schlafen mit einem starken Dauerlicht vor dem Schlafzimmerfenster. Können solche Konflikte mit der Digitalisierung gelöst werden? Durch smarte Straßenlampen, die nur bei Bedarf, wenn sich jemand nähert, heller werden?

Und wie ist das mit den Dorf-Chatgruppen. Ist die Kommunikation über WhatsApp wirklich sicher? Sie ist etabliert, weil ziemlich alle WhatsApp installiert haben. Aber wäre eine dorfeigene oder gemeindeeigene Plattform nicht sicherer? Ohne, dass jeder alle Telefonnummern in der Gruppe abgreifen kann? Und mit vielen verschiedenen Interessensgruppen?

Und wer hilft einem Dorf eigentlich bei der Digitalisierung? Gibt es schon Musterdörfer in Schleswig-Holstein, oder sollten wir einfach selbst eins werden? Wie können wir das schaffen und wie finanzieren wir das?

Mit welchen Partnern lässt sich das umsetzen? Wir haben ja unsere tollen Stadtwerke, die uns nicht nur mit Strom, Wasser und Gas, sondern auch bestens mit Internet beliefern. Vielleicht lässt sich da eine Kooperation starten?

All diese Fragen gehen mir seit Wochen durch den Kopf, und immer mehr reift die Idee, einen Ort zu schaffen, wo wir all diese Fragen so nach und nach beantworten können. Ein Ort an dem Bürgerinnen und Bürgern geholfen wird, wenn sie digitale Fragen haben. Und wo Bürgerinnen und Bürger sich selbst helfen können, digitale Produkte für den eigenen Nutzen zu entwickeln. Und wer weiß, ob die nicht mal zur Marktreife gebracht werden und in anderen Dörfern eingesetzt werden können?

Ein Makerspace, an dem auch digitales Wissen vermittelt wird und wo vielleicht auch Geschäftsideen entwickelt werden, Prototypen entwickelt und gebaut werden können. Ein Melting Pot für die verschiedenen Skills und Fähigkeiten aus dem Dorf. Ein platz wo Probleme und Aufgaben definiert und dann digital gelöst werden können?

Ich werde in den kommenden Wochen mal Meinungen und Ideen sammeln und mal vorfühlen, was die Nachbarn darüber denken.

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